Freitag, 9. April 2010

Abschnitt des Interviews vom Vorsitzenden Gonzalo

Zunächst veröffentlichen wir einen Abschnitt des Interviews vom Vorsitzenden Gonzalo, der zum zweiten Teil des Interviews „ÜBER DIE PARTEI“ gehört.


II. ÜBER DIE PARTEI


EL DIARIO: Kommen wir jetzt zu einem anderen sehr wichtigen Thema dieses Interviews, nämlich dem der Partei. Welches sind für Sie die wichtigsten Lehren aus dem Entwicklungsprozess der Partei?

VORSITZENDER GONZALO: Zunächst zur historischen Entwicklung der Partei, und den Lehren, die wir daraus ziehen. Wir unterteilen die Geschichte der Partei in drei Abschnitte, die ihre Entsprechung in den drei historischen Momenten der zeitgenössischen peruanischen Gesellschaft haben. Der erste Moment, die erste Phase, ist die Gründung der Partei, bei der wir das Glück hatten, auf José Carlos Mariátegui, einen kompromisslosen Marxisten-Leninisten, zählen zu können. Aber wie es nicht anders sein konnte, wurde Mariátegui noch zu seinen Lebzeiten bekämpft und abgelehnt. Die Partei wich von seiner Linie ab, und der Gründungsparteitag, den er als unerledigte Aufgabe hinterlassen hatte, wurde niemals durchgeführt, denn, wie wir alle wissen, verabschiedete jener Parteitag, der dann Gründungsparteitag genannt wurde, die Linie der sogenannten "Nationalen Einheit", die den Thesen Mariáteguis vollkommen widersprach. In der Folge schlug die Partei den Weg des Opportunismus ein, sie geriet erst unter den Einfluss des Browderismus, dem del Prado nahestand, und dann unter den des zeitgenössischen Revisionismus. All das führte zu einem zweiten historischen Moment, dem des Wiederaufbaus der Partei, der im wesentlichen ein Kampf gegen den Revisionismus war; es handelt sich dabei um eine Periode, die sich Anfang der sechziger Jahre klarer und eindeutiger abzuzeichnen begann. Dieser Prozess führte die Parteibasis dazu, sich gegen die revisionistische Führung zusammenzuschließen und sie, wie ich bereits erwähnte, auf der 4. Parteikonferenz im Januar 1964 aus der Partei auszuschließen. Die Phase des Wiederaufbaus dauerte bis zum Jahr 1978/79. Um diese Zeit herum endete der zweite Moment, und wir traten in den dritten Moment ein, den Moment der Führung des Volkskrieg, in dem wir uns gegenwärtig befinden.

Welches sind die Lehren, die wir daraus ziehen können? Die erste Lehre ist die Bedeutung der einheitlichen ideologischen und politischen Basis der Partei und ihre Beziehung zum Zweilinienkampf. Ohne diese Grundlage und ihre drei Elemente, 1) der Marxismus-Leninismus-Maoismus, Gonzalo-Ideen, 2) das Programm und 3) die politische Generallinie, fehlt jegliche Grundlage für den ideologisch-politischen Aufbau der Partei. Andererseits kann es ohne den Zweilinienkampf kein einheitliche ideologische und politische Basis der Partei geben.

Ohne den entschlossenen und umsichtigen Zweilinienkampf in der Partei ist es weder möglich, eine feste Verankerung in der Ideologie zu erreichen, noch das Programm und die politische Generallinie festzulegen, zu verteidigen, anzuwenden oder gar weiter zu entwickeln. Für uns ist der Zweilinienkampf von grundsätzlicher Bedeutung, was damit zusammenhängt, dass wir entsprechend des universellen Gesetzes des Widerspruchs die Partei als einen Widerspruch verstehen. Die zweite Lektion ist die Bedeutung des Volkskrieges. Die zentrale Aufgabe einer kommunistischen Partei besteht darin, die Macht für die Arbeiterklasse und das Volk zu erobern. Nachdem die Aufbauphase einer Partei abgeschlossen ist, muss sie unter Berücksichtigung der konkreten Bedingungen daran gehen, die Macht zu erobern, und das kann sie nur mit dem Volkskrieg erreichen. Die dritte wichtige Lektion bezieht sich auf die Heranbildung einer Parteiführung. Die Führung ist von entscheidender Bedeutung und kann nicht improvisiert werden. Es erfordert viel Zeit, harte Arbeit und mühevollen Kampf, eine Führung heranzubilden, ganz besonders, wenn es darum geht, einen Volkskrieg anzuführen. Eine vierte Lehre, die wir ziehen können, ist die Notwendigkeit, den Aufbau auf die Eroberung der Macht auszurichten. Denn so wie man einen Volkskrieg führt, um die Macht zu erobern, so muss man auch die Machtübernahme aufbauen. Was wollen wir damit sagen? Es müssen Organisationen geschaffen werden, die denen der Reaktion überlegen sind. Wir glauben, dass das die wichtigsten Lektionen sind. Eine letzte ist der proletarische Internationalismus. Wir müssen uns immer als Teil des internationalen Proletariats verstehen, die Revolution immer als Teil der Weltrevolution begreifen, den Volkskrieg - so wie es die Parole der Partei sagt - im Dienste der Weltrevolution entwickeln. Warum? Weil eine kommunistische Partei letztendlich ein unumstößliches Ziel hat, den Kommunismus. Und, wie der Marxismus festgelegt hat, treten wir in ihn entweder alle gemeinsam ein oder überhaupt nicht. Wir halten dies für die wichtigsten Lehren, die wir anführen können.


EL DIARIO: Fahren wir mit dem gleichen Thema fort. Warum misst die PCP der Fraktion, jener Fraktion, welche die Partei wiederaufbaute, so große Bedeutung zu?

VORSITZENDER GONZALO: Das ist ein wichtiges Thema, das außerhalb der Reihen der Partei kaum bekannt ist. Beginnen wir folgendermaßen: Lenin sprach von der Fraktion als einer Gruppe von Menschen, die sich auf einer soliden Grundlage zusammenschließen, um die Prinzipien in ihrer reinster Form anzuwenden, und dabei ihre politischen Positionen offen auf den Tisch legen mit dem Ziel, den internen Kampf voranzutreiben und die Partei weiter zu entwickeln. Wir stützten uns auf die leninistische Auffassung, als wir die Fraktion bildeten. Sie begann sich Anfang der sechziger Jahre zu formieren, was im Zusammenhang mit dem weltweiten Kampf zwischen Marxismus und Revisionismus zu sehen ist, der natürlich auch in unserem Land widerhallte. Die Mitglieder der Fraktion begannen, darüber nachzudenken, wie die Revolution in Peru durchzuführen sei, und entdeckten viele dieser Fragen in den Werken des Vorsitzenden Mao Tse-tung, die zu jener Zeit nach Peru gelangten. Welche Fragen stellten wir uns? Wir sagten uns, dass die Revolution in Peru eine Partei mit soliden ideologischen und politischen Grundlagen braucht, dass die Bauern die Hauptkraft in unserer Gesellschaft sind, während das Proletariat die führende Klasse ist, und der Weg vom Land in die Stadt führt; das waren unsere Ausgangspunkte. Die Fraktion diente dem Kampf gegen den Revisionismus von del Prado, und wir waren ein Teil derer, die sich zusammentaten, um die Reihen der Partei zu säubern und die Clique um del Prado auszuschließen.

Neben unserer Fraktion bestanden innerhalb der Partei noch andere Fraktionen, eine unter der Führung von Paredes und zwei, die verdeckt agierten, d. h. nicht die leninistischen Kriterien hinsichtlich einer Fraktion anwandten, sondern sich wie eine Partei innerhalb der Partei verhielten. Ich beziehe mich auf Patria Roja mit ihrer sogenannten "Tschingkang-Gruppe" und auf die selbsternannte "bolschewistische" Gruppe. Und daneben gab es unsere Fraktion, deren Zentrum die Region um Ayacucho war. Nachdem die betreffende Linie auf der 5. Parteikonferenz verabschiedet worden, beschäftigte sich die Fraktion mit dem Problem des Aufbaus der drei Instrumente der Revolution. Dadurch spitzte sich der interne Kampf zu, doch da er schlecht geführt wurde, bewirkte er keinen stärkeren Zusammenhalt, sondern die Partei fiel auseinander. So spaltete sich zuerst Patria Roja ab, d. h., sie wurden aus der Partei ausgeschlossen, weil sie eine rechtsopportunistische Linie verfolgten, sich gegen den Vorsitzenden Mao Tse-tung und Mariátegui wandten und die Existenz einer revolutionären Situation in Peru bestritten. Es blieben drei Fraktionen übrig.

Auf der 6. Parteikonferenz im Jahre 1969 wurden die einheitliche ideologische und politische Basis der Partei und der Wiederaufbau der Partei beschlossen, zwei Punkte, welche die Fraktion neben anderen grundsätzlichen Fragen bereits auf einer Sitzung der erweiterten Politischen Kommission im Jahre 1967 vorgeschlagen hatte. Paredes und seine Gruppe waren weder mit dem Wiederaufbau der Partei noch mit der einheitlichen ideologischen und politischen Basis der Partei einverstanden, und da sie die Partei nicht kontrollieren konnten, schmiedeten sie einen Plan, um sie zu sprengen. So war ihr hinterhältiger Plan. Diesem Rechts-Liquidatorentum traten wir mit einem harten Kampf entgegen, bis auf diese Weise zwei Fraktionen übrig blieben, die unsrige und die selbsternannte "bolschewistische" Gruppe. Diese entwickelte nun ein Links-Liquidatorentum. Sie vertrat, dass Stabilität bestände und folglich keine revolutionäre Situation existiere, dass der Faschismus alles zerstöre, dass man keine Arbeit unter den Massen machen könne, dass man den Parteinachwuchs in Seminaren schulen müsse etc.

Dieser Kampf endete damit, dass unsere Fraktion allein den Wiederaufbau der Partei übernahm. Lenin sagte, dass ab einem bestimmten Moment eine Fraktion, die konsequent ist, die Partei wieder aufbauen muss. Diese Aufgabe übernahm unsere Fraktion. An dieser Stelle könnte man fragen: Warum betrieb die Fraktion den Wiederaufbau der Partei? Warum gründet sie keine andere, wie es Mode war und immer noch ist? Der erste Grund ist, dass die Partei 1928 auf eindeutig marxistisch-leninistischer Basis gegründet wurde und umfassende Erfahrungen, sowohl positiver als auch negativer Art gesammelt hatte. Doch es gibt noch einen anderen Grund. Lenin lehrt uns: Wenn jemand einer Partei angehört, die von den Grundsätzen abweicht, vom Kurs abkommt oder in den Opportunismus abrutscht, hat er die Pflicht, alle Anstrengungen zu unternehmen, um sie auf den richtigen Weg zurückzubringen, andernfalls begeht er ein politisches Verbrechen. Die Bedeutung der Fraktion liegt darin, dass sie diese Aufgabe übernommen und dem Wiederaufbau der Partei gedient hat, angefangen mit dem ideologisch - politischen Aufbau, dessen Ausgangspunkt der Maoismus war, den wir damals Mao Tse-tung - Gedanken nannten, bis zur Festlegung der politischen Generallinie. Die Fraktion hat das große Verdienst, die Partei wieder aufgebaut zu haben, und damit gab es das Instrument, den "heldenhaften Kämpfer", eine kommunistische, marxistisch-leninistisch-maoistische Partei neuen Typs, die organisierte politische Avantgarde - nicht die "politisch-militärische Organisation", wie einige fälschlicherweise zu sagen pflegen -, die Partei, die notwendig ist, um mit der Waffe in der Hand im Volkskrieg die Eroberung der Macht in Angriff zu nehmen.