Donnerstag, 15. April 2010

Noch einen Teil des Interviews vom Vorsitzenden Gonzalo: „II. ÜBER DIE PARTEI“.

EL DIARIO: Welche Veränderungen sind in der Partei durch den Volkskrieg hervorgerufen worden?

VORSITZENDER GONZALO: Das erste und wesentliche, was uns der Volkskrieg gab, war, dass er uns auf der Grundlage unserer früheren Arbeit in die Lage versetzte, den Maoismus als eine neue, dritte und höhere Etappe des Marxismus zu begreifen. Er diente ferner dazu, die Militarisierung und den konzentrischen Aufbau der Partei zu entwickeln und die EGP (Partisanenvolksarmee; heute EPL: Volksbefreiungsarmee) aufzubauen, die im Jahre 1983 gegründet wurde.

Die EGP ist sehr wichtig. Sie ist die hauptsächliche Organisationsform, die der Hauptkampfform, dem Volkskrieg, entspricht. Die Partisanenarmee, die wir geschaffen haben und die sich machtvoll entwickelt hat, entstand unter Anwendung der Thesen des Vorsitzenden Mao Tse-tung und der äußerst wichtigen These Lenins über die Volksmilizen, die von der Erkenntnis ausgeht, dass die Armee usurpiert und zur Restauration benutzt werden kann. Daher entwickelte er das Konzept der Volksmiliz, welche die Funktionen der Polizei, der Armee und der Verwaltung übernehmen soll, eine großartige These, die er aufgrund der historischen Umstände nicht umsetzen konnte, was jedoch nicht heißt, dass sie nicht wichtig und gültig ist, so wichtig, dass sich der Vorsitzende Mao intensiv mit dem Aufbau der Volksmiliz beschäftigte. Die Merkmale unserer Armee leiten sich demnach aus diesen Erfahrungen ab, doch sie hat auch ihre Besonderheiten. Sie besteht aus drei Streitkräften: der Hauptstreitkraft, den lokalen Streitkräften und den Basisstreitkräften. Wir haben keine unabhängige Miliz, sondern sie ist als Basisstreitkraft in die Armee integriert; nach diesem Prinzip ist die Armee aufgebaut. Man könnte auch sagen, dass wie in Anbetracht unserer konkreten Bedingungen die EGP nicht anders hätten aufbauen können, doch letztendlich waren es die oben genannten Prinzipien, die uns leiteten. Diese Armee konnte ungeachtet ihrer besonderen Merkmale in allen Situationen operieren und kann, falls notwendig, angepasst und reorganisiert werden.

Im Zusammenhang mit dem Volkskrieg gibt es noch einen anderen wichtigen Aspekt, seine wichtigste Errungenschaft, die neue Macht. Gestützt auf das, was der Vorsitzenden Mao in seinem Werk "Über die Neue Demokratie" ausführt, steht für uns der Aufbau der neuen Macht in Verbindung mit der Einheitsfront. Daneben haben wir auch die lange negative Erfahrung mit der Politik der Kampffronten hier in Peru berücksichtigt, zu welcher der Begriff "Einheitsfront" missbraucht wurde und wird, früher mit der sogenannten "Nationalen Befreiungsfront" und heute hauptsächlich mit der sogenannten "Izquierda Unida" (Vereinigte Linke) und anderen Gebilden wie die viel propagierte "Convergencia Socialista" (Sozialistische Konvergenz). Wir hingegen wenden immer die Prinzipien an und gehen von unserer konkreten Realität aus. Deshalb entbehrt es jeder Grundlage, wenn man uns Dogmatiker nennt, aber gut, Papier ist geduldig. Das hat uns dazu geführt, die "Frente Revolucionario de Defensa del Pueblo" (FRDP- Revolutionäre Front zur Verteidigung des Volkes) zu bilden. Hierzu ist anzumerken, dass wir es waren, die in Ayacucho die erste Front zur Verteidigung des Volkes geschaffen haben, die sich danach "Patria Roja" zum Vorbild nahm, deformierte und als Eigenkreation ausgab, um ihre FEDIPs zu gründen - schon der Name ist falsch, denn wenn es sich um eine Front zur Verteidigung des Volkes handelt, wird sie logischerweise die Interessen des Volkes verteidigen. Die FRDP bauen wir nur auf dem Land auf, und zwar in Form der neuen Macht als Volkskomitees, wobei die Volkskomitees eines Gebietes einen revolutionären Stützpunkt bilden und die Gesamtheit dieser Stützpunkte das ist, was wir die neudemokratische Volksrepublik im Aufbau nennen. In den Städten organisieren wir die MRDP ("Movimiento Revolucionario de Defensa del Pueblo" - Revolutionäre Bewegung zur Verteidigung des Volkes), die dazu dient, den Volkskrieg in der Stadt zu führen, Kräfte zu sammeln, die reaktionäre Ordnung zu untergraben und ein Klassenbündnis im Hinblick auf den zukünftigen Volksaufstand zu schaffen.

Andere Veränderungen haben mit der Heranbildung der Parteimitglieder zu tun. Ganz offensichtlich schult der Krieg auf besondere Weise, er stählt, er erlaubt, die Ideologie stärker zu verinnerlichen, Parteimitglieder mit eisernem Willen hervorzubringen, die dem Leitspruch folgen, "den Tod herausfordern und ihm Siegeslorbeeren entreißen". Außerdem ist festzustellen, dass eine weitere Veränderung in der Partei auf einer anderen Ebene, oder besser gesagt, mit anderen Auswirkungen, stattgefunden hat, und die hat mit der Weltrevolution zu tun. Der Volkskrieg hat der Partei erlaubt, eindeutig zu demonstrieren, wie durch die Anwendung des Marxismus-Leninismus-Maoismus ein Volkskrieg geführt werden kann, ohne sich dem Diktat irgendeiner Supermacht oder imperialistischen Macht zu unterwerfen, dass es möglich ist, einen Volkskrieg voranzutreiben, und sich dabei nur auf die eigenen Kräfte zu stützen. Das alles hat der Partei auf internationaler Ebene zu einem Prestige verholfen, das sie vorher niemals hatte. Das ist kein selbstgefälliges Eigenlob - solche Eitelkeit liegt uns fern - sondern eine schlichte Tatsache, die uns erlaubt, der Weltrevolution zu dienen, wie nie zuvor. Auf diese Art und Weise erfüllt die Partei durch den Volkskrieg ihre Aufgabe als Kommunistische Partei Perus.

EL DIARIO: Wie beteiligen sich die Arbeiter und Bauern an der EGP?

VORSITZENDER GONZALO: Hauptsächlich beteiligen sich die Bauern, insbesondere die armen Bauern, als Soldaten und Befehlhabern auf den verschiedensten Ebenen, das ist die Art, wie sie sich beteiligen. Das gilt ebenso für die Arbeiter, obwohl ihr prozentualer Anteil gegenwärtig noch unzureichend ist.